ein Miniurlaub in der Sächsischen Schweiz

April 15, 2018


In der Heimat Urlaub machen? Voll langweilig! - Das zumindest dachte ich, bis ich Ende 2016 meine Liebe für die Sächsische Schweiz entdeckte und bemerkte, dass man nicht unbedingt in ein Flugzeug steigen und ans andere Ende der Welt fliegen muss, um auf Entdeckungsreise zu gehen. Wanderausflüge in das wunderschöne Elbsandsteingebirge haben sich seitdem zu meinen liebsten Freizeitaktivitäten gemausert. Knapp eine Autostunde von Zuhause entfernt sind wir dort plötzlich umgeben von faszinierenden Felsformationen und der knisternden Ruhe des Waldes. Das ist Erholung pur!

Mittlerweile haben wir schon diverse Touren durch den Nationalpark unternommen, doch trotzdem gibt es zahlreiche Felsen, die wir noch nicht erkraxelt sind. Auf der Bastei waren wir nun auch schon mehrfach, aber da bei unserem ersten Besuch bei Sonnenaufgang letzten Oktober leider das Wetter nicht ganz mitspielte, hatten wir seitdem geplant, eine solche Fototour zu wiederholen. Zu Weihnachten schenkte ich Philipp daher eine Übernachtung im Berghotel Bastei; denn wenn man direkt vor Ort übernachtet, ist die Wahrscheinlichkeit, einen tollen Sonnenaufgang zu erleben doch irgendwie höher. In der Woche nach Ostern nutzten wir also ein paar spontane Urlaubstage, um die Übernachtung in die Tat umzusetzen.

Am Nachmittag reisten wir an und bezogen direkt unser Zimmer mit Felsblick. Wir genossen kurz die Aussicht von unserem Balkon und brachen dann zur ersten Wanderung auf - von der Basteibrücke hinab in den Amselgrund, am Amselsee entlang und dann die Schwedenlöcher wieder zur Bastei hinauf. Eine tolle und relativ kurze Runde, die bei schönem Wetter - besonders am Wochenende - für gewöhnlich hochfrequentiert ist. 

Während wir also all die Stufen erklommen, kam mir direkt wieder ein Zitat aus Der Herr der Ringe in den Sinn. Normalerweise passiert mir das, wenn ein umgestürzter Baum den Wanderweg versperrt - ich denke dann immer sofort an die Pfade der Toten und deren Spruch: "Der Weg ist vesperrt. Er wurde angelegt von jenen, die tot sind und die Toten halten ihn. Der Weg ist versperrt." Diesmal aber kam mir Sméagol mit folgendem Zitat in den Sinn: "Rauf, rauf, rauf, rauf, immer schön die Treppe rauf." Es lief wie ein Mantra durch meinen Kopf, fast zur Motivation. Treppensteigen kann nämlich doch ganz schön anstrengend sein! Und ich wusste ja, dass wieder auf der Bastei angekommen keine Riesenspinne auf mich warten würde, sondern ein leckeres Abendessen! (Und ja, ich bin offensichtlich ein ziemlicher Nerd, zumindest was Der Herr der Ringe angeht.)


Der am Mittag noch mit vereinzelten Wolken übersäte Himmel hatte sich unterdessen übrigens zugezogen und als wir noch immer entspannt die Schwedenlöcher emportreppten, fing es leise an zu regnen. Früher hätte ich es gehasst! Doch mit wasserdichter Jacke und guter Laune bewappnet, verlängerte ich einfach die Verschlusszeit an meiner Kamera und genoss die Regentropfen, die sanft auf mein Gesicht fielen. Der Wald war wie ausgestorben und wir genossen die Ruhe und die mystische Stimmung. Schon mehrfach haben wir feststellen können, dass das Licht zum Fotografieren bei Regen immer automatisch interessanter ist, seitdem kann uns solches Wetter nicht mehr die Laune vermiesen.


Nachdem wir unsere Wanderrunde beendet hatten und wieder oben am Hotel angekommen waren, wurde es Zeit für's Abendessen. Danach wollten wir noch den Sonnenuntergang fotografieren. Der Regen hatte sich währenddessen schon wieder verzogen und hinterließ die Basteibrücke menschenleer, was ein wirklich seltener Anblick ist. Leider verschwand die Sonne jedoch viel zu schnell hinter entfernten Wolken und schenkte uns nur kurz das Abendrot. Dennoch konnten wir einige schöne Momente genießen und bald darauf zufrieden und voller Freude auf den nächsten Tag ins Bett fallen.


Da der Hauptgrund für unsere Übernachtung ja war, den Sonnenaufgang zu fotografieren, hatten wir uns einen zeitigen Wecker gestellt. In der Dämmerung verließen wir unser Zimmer, um die Morgenstimmung einzufangen. Die nächtlichen Wolken wichen schnell einem klar-blauen Himmel und so hatten wir diesmal genau das gegenteilige Wetter zu unserem ersten Sonnenaufgangsbesuch. Ein paar mehr Wolken und ein wenig Morgenröte wären mir tatsächlich lieber gewesen, aber was soll's. (Man kann es mir offenbar nie recht machen, haha.) Trotzdem war die Stimmung im Sonnenschein gegen 6:45 Uhr natürlich wunderschön und die ganze Aktion hat sich allemal gelohnt.

Wie im vergangenen Oktober waren übrigens auch dieses Mal einige andere Frühaufsteher mit ihren Kameras unterwegs. Sogar morgens noch vor Sonnenaufgang war es auf der Bastei also voller, als nach dem Regen am Abend zuvor. Man muss wirklich den richtigen Moment abpassen, wenn man die Brücke und die Felsen mal fotografieren will, ohne dass ständig jemand durch's Bild rennt. Wir suchten uns die menschenleeren Plätze aus und schossen einige Fotos, bis meine Fingerspitzen aufgrund der morgendlichen Kälte steif wurden und die Zeit gekommen war, das Frühstücksbuffet zu stürmen.

Nach einem ausgiebigen und wirklich leckeren Frühstück packten wir dann auch schon wieder unsere Sachen zusammen und checkten aus unserem Hotelzimmer aus. Für den gerade erst angebrochenen Tag hatten wir uns noch einiges vorgenommen - der Miniurlaub war also noch nicht zuende! Übrigens war die Übernachtung besonders für mich eine interessante Erfahrung. Da die Sächsische Schweiz von uns aus mit dem Auto gut zu erreichen ist, hätte ich normalerweise nicht die Notwendigkeit gesehen, dort zu übernachten. Tagesausflüge lassen sich ganz hervorragend auch so durchführen. Dass wir uns dennoch dazu entschieden haben, ein Zimmer zu buchen, hat das Ganze zu etwas wirklich Besonderem gemacht. Es fühlte sich tatsächlich an wie Urlaub und hat mir richtig Lust bereitet, sowas öfter zu unternehmen!



Als die ersten Touristenströme des Tages ankamen, ließen wir die Bastei hinter uns und fuhren nach Schmilka, um dort unsere nächste Wanderung zu starten. Nachdem wir aus lauter Vorfreude fast vergessen hätten, unsere Wanderschuhe anzuziehen, folgten wir zunächst dem Wurzelweg zum Heringsgrund. Wir kletterten die unzähligen Stufen der Heilige Stiege hinauf, verschnauften kurz, machten einen Abstecher zum Carolafelsen und setzten dann unsere Runde in Richtung Großer Winterberg fort. Das Wetter war herrlich und wir strahlten mit der Sonne um die Wette. (Um wirklich gute Fotos zu machen, war es sogar beinahe zu hell.) Es waren auch zahlreiche wanderfreudige Familien unterwegs, die ebenfalls den schönen Frühlingstag nutzten, um sich die Beine zu vertreten. Die Stimmung auf den Sandsteinfelsen war fröhlich und alle Anwesenden genossen sichtlich die Wärme und den Ausblick über die Landschaft. 

Das ist meiner Meinung nach immer die beste Belohnung für einen anstrengenden Aufstieg: der Blick, der sich einem oben auf dem Berg bietet! Ich weiß nicht, wie sich andere Leute dazu motivieren, schnaufend hunderte Treppenstufen hinaufzusteigen, aber bei mir ist es definitv das Wissen auf die wartende Aussicht, was mich antreibt. Und manchmal helfen eben auch irgendwelche nerdigen Zitate aus Lieblingsfilmen. (Soweit ich mich erinnere, wurde ich zu Zeiten meiner Kindheit übrigens mit Gummibärchen motiviert, was heute wahrscheinlich sogar auch noch klappen würde, haha.)

Nach einer vierstündigen Wanderung kehrten wir voller Glückshormone und mit unzähligen neuen Fotos auf der Speicherkarte nach Schmilka zum Auto zurück. Zum Abschluss des Tages gönnten wir uns auf dem Rückweg nach Hause dann noch einige Stunden Entspannung in der Toskanatherme in Bad Schandau. Wir plantschten im Wasser umher und gewährten unseren vom Wandern müden Muskeln ein wenig Erholung. Aufgeweicht fuhren wir schließlich wieder nach Hause und beendeten den klitzekleinen Urlaub mit Tapas beim Spanier. Im Restaurant fielen mir fast die Augen zu - so müde war ich von all den tollen Eindrücken, die ich in den vergangenen anderthalb Tagen gesammelt hatte!

Es war definitiv ein gelungener Miniurlaub! Mal für ein oder zwei Tage rauszukommen und den Alltag hinter sich zu lassen, kann schon wirklich hilfreich sein, um neue Energie zu tanken. Außerdem helfen mir Wanderausflüge und Fotoexpeditionen immer unheimlich dabei, abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen. Sowas werden wir sicher bald wiederholen!



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