von meinem BuJo, Perfektion und Selbstakzeptanz

December 15, 2017



Notizbücher. Schon echt ein Thema für sich irgendwie. Ich liebe die Idee, seine Gedanken und Erinnerungen in einem Buch niederzuschreiben oder etwas zu zeichnen und später darauf zurückblicken zu können. Die ersten Seiten eines neuen Notizbuches habe ich deshalb auch stets mit Eifer und Sorgfalt gefüllt und mir jedes Mal wieder vorgenommen, dass ich es diesmal schaffe, ein solches Buch bis zum Ende zu führen. Aber irgendwann musste ich immer feststellen, dass die gefüllten Seiten nicht meinem eigenen Standard entsprachen und es sich daher nicht lohnte, das Buch weiterzuführen. Meistens landeten wunderschöne, fast leere Notizbücher dann nach wenigen Wochen im Müll. 

Mitte September habe ich mich - nach langem Hin- und Herüberlegen - dazu entschieden, ein Bullet Journal zu starten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ein Notizbuch zu führen und mal wieder kreativ zu werden, würde mir vielleicht dabei helfen, das Chaos in meinem Kopf ein wenig zu ordnen. Und sein wir ehrlich, ich hatte ziemlich viel Langeweile und da dieser BuJo-Kram ja eh grad voll im Trend ist, wollte ich das einfach mal ausprobieren. Vorallem aber sollte es auch eine kleine Herausforderung an mich selbst sein: Würde ich es schaffen, das Journal länger als wenige Wochen zu führen? Würde ich es schaffen, mir einzugestehen, dass nicht immer alles perfekt sein muss? Dass es nicht schlimm ist, wenn man mal ein Wort falsch schreibt? Oder eine verkrüppelte Zeichnung macht?

Ich wollte mir beweisen, dass ich ein Buch mit Erinnerungen, Gedanken und Zeichnungen füllen und stolz darauf sein kann, auch wenn es nicht perfekt ist. Denn Perfektion ist Schwachsinn und Fehler sind menschlich. Manchmal kommt halt nicht unbedingt das bei raus, was man sich erhofft hatte. Bei einer Zeichnung. Oder so allgemein im Leben. Aber das heißt ja nicht, dass man deswegen gleich sein ganzes Leben wegwerfen muss. Und genau deshalb kaufte ich mir ein geeignetes, punktkarriertes Notizbuch und legte los. Wenn ich ehrlich sein muss, führe ich das Buch kaum nach den Vorgaben von Ryder Carroll, weswegen ich es vielleicht eigentlich gar nicht wirklich als Bullet Journal bezeichnen sollte. Ich habe keinen key, schreibe kaum to do's nieder und benutze auch keine bullets. Aber das ist ja eigentlich auch nicht wirklich wichtig. (Mir zumindest nicht.) Stattdessen geht es mir eher darum, das Buch zu füllen, wenn ich etwas festhalten möchte - Erinnerungen, Gedanken, Stimmungen - oder einfach mal wieder Lust habe, kreativ zu werden.


Seit drei Monaten führe ich mein BuJo nun also schon. Mal mehr, mal weniger intensiv. Manchmal habe ich einfach keine Lust, irgendetwas hineinzuschreiben, aber dennoch hatte ich bisher nie den Drang, das Ganze aufzugeben, was mich selbst überrascht. Vorallem in den letzten Wochen habe ich weniger regelmäßig hineingeschrieben, was aber auch damit zusammenhängt, dass ich sehr viel anderweitig kreativ war. Ich habe wieder festgestellt, wie sehr mir Pinsel und Farben in meinem Leben gefehlt haben. Dass ich wieder öfter malen und zeichnen will. Und auch Hand Lettering möchte ich gern noch üben. Denn es gibt nun mal nur sehr wenige Menschen, die auf Anhieb alles können und ich gehöre definitiv nicht zu dieser Kategorie. Deshalb gilt für mich: üben, üben, üben. Üben, den Pinsel ordentlich zu schwingen; üben, mit unterschiedlichen Strichstärken zu arbeiten; üben, mit dem zufrieden zu sein, was ich da kreiere.

Letzteres fällt mir nämlich unheimlich schwer und führt mich wieder zum Ursprung meines Selbstexperiments - wenn man es denn so nennen will. Denn natürlich gibt es viele kleine Dinge, mit denen ich in meinem BuJo nicht hundertprozentig glücklich bin. Seiten, die ich nicht gern anschaue, weil sie unordentlich sind oder mir Zeichnungen nicht gefallen oder ich einfach (mal wieder) viel zu selbstkritisch bin. Aber ich habe eingesehen, dass das nun mal so ist. Dass ich mich deswegen nicht fertig machen und schon gar nicht das ganze Buch wegwerfen muss. Dass ich aus Fehlern lernen kann, auch wenn sie eigentlich gar keine richtigen Fehler sind. Dass ich manchmal einfach eine Weile an etwas arbeiten muss, bis es meinem Anspruch gerecht wird. Und dass es auch okay ist, mal nicht zufrieden zu sein.

Vorallem aber habe ich auch gelernt, dass es vollkommen legitim ist, wenn ich mit mir zufrieden bin. Wenn mir eine Zeichnung wirklich gefällt. Und dass es egal ist, ob sie anderen auch gefällt. Weil es hier in erster Linie darum geht, Dinge zu schätzen, die ich erschaffen und geschafft habe und mich somit selbst zu akzeptieren.

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