Schrammsteinaussicht

March 29, 2017

Als Philipp und ich letztes Jahr im Oktober zum ersten Mal gemeinsam in der Sächsischen Schweiz waren, hat mir das Elbsandsteingebirge wahrlich die Sprache verschlagen. An jenem regnerischen Samstag machten wir uns wagemutig auf den Weg ins Kirnitzschtal, stellten das Auto auf einem kostenpflichtigen Parkplatz ab und stampften von dort los. Unsere genaue Route könnte ich wahrscheinlich gar nicht mehr auf der Karte nachvollziehen, denn sie führte uns stundenlang kreuz und quer durch die Landschaft, steile Hänge hinauf und nasse Felsen wieder hinunter. Unwissend nahmen wir damals einen kleinen Pfad, der mit einem schwarzen Dreieck gekennzeichnet war und uns zur wunderschönsten Aussicht überhaupt, aber auch zu einem dreckigen und überaus mühseligen Abstieg führte.

Auf unserer mittlerweile dritte Wanderung in der Gegend um Bad Schandau vor einigen Wochen lernten wir dann auch endlich mal, warum der Weg mit dem schwarzen Dreieck im vergangenen Herbst so beschwerlich war. Weil er nämlich gar kein richtiger Weg war. Auf der Strecke zu den Schrammsteinen wiesen uns netterweise bei jeder Gelegenheit diese kleinen grünen Schilder mit schwarzem Dreiecksymbol darauf hin, dass es sich hierbei um einen Zugang zum Kletterfelsen handelt und dieser kein Wanderweg ist. Well. You live and you learn. (Also wenn man denn lebt und sich nicht bei der gemütlichen Wanderung auf einem solchen Weg versehentlich das Genick bricht.) Rückblickend finde ich es schon ziemlich amüsant, denn das sind eben solche Erlebnisse, an die man sich noch jahrelang erinnert. Dass man einfach unwissentlich einen Kletterweg genommen hat, bei Nebel und Nieselregen wunderschöne Dinge entdecken konnte, aber dann auf dem Arsch die Felsen runterrutschen musste, dabei die frische Jeans dreckig gemacht hat und sich gewundert hat, warum der Weg so doof und ziemlich schlecht beschildert war.


An den Schrammsteinen ist uns das so zumindest nicht wieder passiert. Wahrscheinlich wäre es dort auch um einiges gefährlicher. Zwar hatten wir an diesem Samstag besten Sonnenschein, doch bei eisigem Wind und zerklüfteten Felsen spiele ich ungern Abenteurer. Da nehme ich lieber den richtigen Weg und klettere über steile Treppen und springe nur über kleine Spalten, das ist für mich schon Abenteuer genug. Ich muss nämlich sagen, als kleiner Mensch hat man es manchmal gar nicht so leicht, sich auf diesen Pfaden fortzubewegen. Da wünschte ich schon, meine Beine wären einen halben Meter länger, um die Leitern ordentlich erklimmen zu können, ohne zwischendurch hilflos und mutlos in der Luft zu baumeln. Aber oben angekommen wird man dann doch immer mit einem so tollen Ausblick belohnt, dass man schnell alle Mühen vergisst.

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