die Sache mit der Produktivität

March 17, 2017


Seit einigen Wochen habe ich irgendwie so viel zu tun, dass ich eigentlich kaum dazu komme, tief durchzuatmen und einfach mal gar nichts zu tun. 

Unter der Woche würde ich nach der Arbeit am liebsten noch tausend Sachen erledigen und auch meine Wochenenden sind immer gefüllt mit wundervollen Erlebnissen, die ich mir selbst in meinen imaginären Terminkalender stopfe. Ständig bin ich auf Achse, ständig arbeitet mein Gehirn. Meine to do-Liste scheint endlos und bevor ich es schaffe, überhaupt einen Punkt von ihr zu streichen, sind schon zwei neue Dinge dazugekommen. Am liebsten würde ich die gesamte Liste sofort abarbeiten und alles gleich abhacken, was aber leider nicht immer ganz so einfach geht. 

Ich bin hochmotiviert und unglaublich glücklich damit. Denn seit Beendigung meines Studiums war ich (soweit ich mich erinnere) nicht mehr so produktiv. Ungefähr vor zwei Jahren war das, als dieser Blog hier entstand. Ich war gerade mitten in der Bearbeitung meiner Bachelor-Thesis und habe teilweise bis zu 12 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, nur an meinem Projekt gearbeitet. Eigentlich war nebenbei gar keine Zeit dafür, etwas anderes zu tun. Aber trotzdem habe ich - wie auch immer ich das getan habe - die Motivation gefunden, zu bloggen. Damals hat es mir, obwohl mich mein Projekt oft frustiert und an meine Grenzen gebracht hat, gut getan, so viel um die Ohren zu haben. Und irgendwie habe ich über die letzten Wochen festgestellt, dass das gerade wieder der Fall ist. 

Im Februar hatte ich eine Phase, in der es mir wirklich nicht gut ging. Irgendwie hatte ich den Fokus verloren, habe viel zu viel Zeit mit Nachdenken verbracht und an allem gezweifelt. Vorallem an mir. Das war schon einmal so, kurz nach meinem Studium. Nach Jahren der ständigen Produktivität hatte ich plötzlich gar nichts mehr zu tun. Keine Projekte, keine Präsentationen, keine Abgaben, nichts. Ich konnte meine Tage auf einmal vollkommen frei gestalten, hatte eine Weile lang keinerlei Verpflichtungen, und bin dadurch damals in ein mitteltiefes Loch gefallen. Über die Zeit war ich ganz langsam wieder herausgeklettert, aber mit einem Fuß hing ich wohl offenbar trotzdem noch drin.

Und diesen Fuß hat es mir letztens aus diversen Gründen wieder weggezogen. Auf einmal lag ich wieder im Loch. Doch am Boden der Tatsachen habe ich meinen Fokus wiedergefunden. Ich habe realisiert, dass ich etwas in meinem Leben ändern muss. Dass ich in die Puschen kommen und endlich wieder produktiv sein muss, denn diesen Part wird niemand anderes für mich übernehmen. Von nichts kommt bekanntlich nichts. 

Also habe ich erstmal angefangen, mir bewusst zu überlegen, was ich ändern kann und wie ich das am besten angehen möchte. Ich habe mir ein konkretes Ziel gesetzt. Zum Ende des Jahres möchte ich eine andere Version meiner Selbst sein. Ich möchte meine berufliche und räumliche Situation ändern. Ich möchte meine Zeit bewusster nutzen und genießen. Mich nicht nur von Wochenende zu Wochenende hangeln. Nicht nur dieses 08/15-Leben haben. Es scheint mir ein bisschen realitätsfern, zu sagen, dass ich jeden Morgen aufstehen und mich darauf freuen möchte, was mich erwartet. (Egal, ob es ein grauer Arbeitsmontag ist, oder ein sonniger Urlaubssamstag.) Vorallem weil ich ein Mensch bin, der eigentlich immer den sicheren, den vermeindlich richtigen Weg ohne große Umwege geht, aber ich möchte einfach raus aus diesem Alltagstrott. Ich möchte irgendwann mal auf mein Leben zurückblicken und behaupten können, dass ich es vollkommen ausgenutzt habe. Dass ich auch mal Risiken eingangen bin und (persönliche) Grenzen überschritten habe. Und das ist meine Motivation.

Um das zu erreichen, klettere ich jetzt Tag für Tag wieder ein paar Zentimeter aus meinem Loch. Wenn ich nicht gerade mit Philipp auf Achse bin oder ellenlange Blogposts verfasse, nutze ich meine Freizeit, um zu planen und zu recherchieren. (Das klingt so banal. Aber ich bin ein Mensch, der eine gewisse Sicherheit und Planung braucht. Ich überstürze ungern größere Entscheidungen, vorallem, weil ich aus diversen Gründen sowieso noch eine Weile an meine jetzige Umstände gebunden bin.) Meist bin ich dann am Ende des Tages von all den Ereignissen so platt, dass ich gar keine Gelegenheit habe, an irgendetwas zu zweifeln, sondern einfach nur müde ins Bett falle.

Für mich ist das eindeutig die beste Situation. Denn sobald ich zu viel Zeit habe, über alles Mögliche nachzudenken und die selbstkritische Seite in mir Überhand gewinnt, bin ich wie paralysiert und bekomme einfach nichts mehr auf die Reihe. Meine Produktivität geht vollkommen flöten. Selbst, wenn dann nur eine einzige, eher läppische Sache auf meiner to do-Liste steht, finde ich kaum Motivation, diese zu erledigen. Das ist mir über die letzten Monate erst so richtig klar geworden.

Obwohl ich ein überaus introvertierter Mensch bin, viel Zeit für mich allein brauche und einen Freitagabend immer lieber auf dem Sofa als im Club verbringe - mehr dazu in einem kommenden Post - brauche ich doch ständig Beschäftigung und strenge auch gern mal mein Gehirn an. Denn wenn ich zu lange mit meinen Gedanken allein bin und nicht genug sinnvolles zu tun habe, wirkt sich das oft negativ auf meine allgemeine Produktivität aus. Ich habe immer lieber ein paar Aufgaben mehr auf dem Schreibtisch liegen, als nicht zu wissen, was ich denn so den ganzen Tag lang machen könnte. Klar, manchmal fühle ich mich auch überwältigt und würde am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und gestresst in mein Kissen schreien, aber diese Phasen sind meist innerhalb von Sekunden überstanden und resultieren dann in neuem Arbeitsmut.  


Dieser Post ist Teil einer neuen Serie, zu der mich die liebe Lina mit ihrem Post über Selbstbewusstsein inspiriert hat und die an die Sache mit dem Sport und der Routine anknüpft. In Zukunft werde ich hier also im Rahmen dieser "Sache" mehr oder weniger regelmäßig meine Gedankenkotze zu den verschiedensten Themen teilen. // Achtung vor herunterfallenden Kotzbrocken! Das Tragen eines Ganzkörperkondoms ist zu empfehlen!

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