ein Wochenende in Prag | travel diary

January 29, 2017

Wer mir auf Instagram folgt, hat sicher mitbekommen, dass ich Mitte Januar mit Philipp (this guy) ein Wochenende in Prag verbracht habe. Ich war zwar zuvor schon häufiger mit der Familie in Tschechien, in die Hauptstadt hatte ich es bis dato allerdings nicht geschafft. Das sollte sich endlich ändern! Es wurde also eine Fahrt und eine Unterkunft gebucht, Geld wurde getauscht und Sehenswürdigkeiten und Restaurants wurden recherchiert. Was es letztendlich zu sehen und zu tun gab und wo wir übernachtet und gegessen haben, habe ich im folgenden Roman zusammengestellt.

Sehenswertes:
Natürlich muss ich hier einige wirklich offensichtliche Touristen-Attraktionen erwähnen. Die Karlsbrücke zum Beispiel, wahrscheinlich das Wahrzeichen der Stadt schlechthin. Ich wusste vor meinem Besuch so gut wie nichts über Prag, aber Fotos der Brücke hatte ich schon tausend Mal gesehen. Nur für Fußgänger begehbar und immer brechend voll, verbindet sie die Altstadt mit der sogenannten Kleinseite. Die meisten Touristen schieben sich hier vom Altstädter Ring hinüber zur Prager Burg. (Ich war übrigens erstaunt, wie voll es trotz der winterlichen Jahreszeit überall in der Stadt war!) Mir ist übrigens sehr schnell bewusst geworden, dass Prag weit mehr zu bieten hat, als nur diese eine fotogene Brücke.

Am Altstädter Ring findet man die Astronomische Rathausuhr, die wirklich toll anzusehen ist. Zur vollen Stunde würde ich mich da nicht unbedingt zwischen die Menschenmassen quetschen, um eine klitzekleine Bewegung der Uhr zu sehen und die Melodie zu hören; viel mehr lohnt es sich aber, auf den Rathausturm zu steigen, und für 130Kč (etwa 5€) das Massenversammlungsspektakel und die Altstadt von oben anzuschauen. (Achtung! Ich habe eben gelesen, dass der Turm noch 2017 renoviert wird, da sollte man sich dann vorher vielleicht nochmal informieren.) Wer einen etwas anderen Ausblick über den Platz und den Turm haben möchte, kann auch auf die Dachterrasse des Hotel U Prince fahren und von dort das städtische Treiben beobachten. Hier muss man dann natürlich eine Kleinigkeit bestellen und die Preise sind, wie zu erwarten ist, nicht gerade billig, aber es lohnt sich trotzdem (in den warmen Jahreszeiten logischerweise mehr als bei eisigen Temperaturen im Januar).

Ansonsten kann ich einfach einen langen Spaziergang durch die Stadt empfehlen. So mache ich das eigentlich immer, wenn ich irgendwo bin um einen neuen Ort zu erkunden: ich notiere mir grob einige Sehenswürdigkeiten und lasse mich dahintreiben; gehe der Nase nach durch Straßen, durch die nicht unbedingt die Massen laufen und entdecke an jeder Ecke etwas Neues. 

Ich habe beispielsweise beim Spazieren an der Moldau entdeckt, dass es da unglaublich viele Enten, Möwen und Schwäne gibt (so viele davon hatte ich noch nie auf einem Haufen gesehen)! Oder dass man vom Hügel am Metronom einen wunderschönen Ausblick über die Stadt und den Fluss hat. Die Burg ist auf jeden Fall einen Blick von außen wert, der mir persönlich gefallen hat, aber auch ausgereicht hat, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Für meinen Geschmack waren da doch zu viele Regenschirmreisegruppen auf einem Haufen, um noch mehr Zeit dort verbringen zu wollen. Aber ich konnte mich sehr gut darüber amüsieren, wie genervt auch einer der Wachen von einer Gruppe deutscher Jugendlicher war, die neben ihm Fotos in allen möglichen Posen machten. Auch, besonders aus architektonischer Sicht, sehenswert fand ich das Tanzende Haus. Allgemein war ich sehr erstaunt, wie viel interessante und schöne Architektur Prag zu bieten hat.

Wir sind übrigens während unseres Aufenthalts ca. 25 km zu Fuß gegangen. Kein Wunder, dass mir nach der Rückfahrt am Sonntag auf dem Weg vom Bus nach Hause fast die Beine eingeknickt wären, weil ich so erschöpft war und meine Füße so schmerzten.

Unterkunft:
Nachdem meine Eltern vor Jahren mal eine schlechte Erfahrung mit einer preiswerten Unterkunft in Prag gemacht hatten, war ich irgendwie abgeschreckt und buchte gleich für zwei Nächte das Motel One, von dem ich wusste, es würde gut sein. Es war auch wirklich gut, eben genau wie in jedem anderen Motel One, in dem ich bisher war. WLAN für bis zu 3 Geräte, Fernseher (den wir nur benutzt haben, um Kamin-TV zu schauen, was sich ja immer automatisch einschaltet), ausreichend Platz, Ausblick auf den Hinterhof mit Bürogebäude (in dem selbst Samstag nach 21 Uhr noch gearbeitet wurde) und ein gemütliches Bett. Und das Bad war sogar richtig groß! Normalerweise sind die Bäder nämlich echt klein, sodass man sich gerade zwischen Waschtisch und Kloschüssel bewegen kann, aber dort gab es super viel Platz.

Gelohnt hat es sich für uns auch vorallem, weil es sehr zentral gelegen ist und wir so von dort aus am Samstag und Sonntag alle unsere Ziele super zu Fuß erreichen konnten. Außerdem ist es nur etwa 5 Gehminuten vom Busbahnhof ÚAN Florenc entfernt, wo wir am Freitagabend ankamen und am späten Sonntagnachmittag wieder abfuhren. Wer mit dem Bus anreist und plant, zu Fuß unterwegs zu sein, für den ist das Motel One also sicher eine gute Adresse. (#notsponsored; I wish it was, though. Haha.)

Essen/Trinken:
Cafe~Cafe: ein hippes Café (duh!), was mich durch seine Bestuhlung sofort an ein französisches Bistro erinnert hat. Ich hatte einen Latte Macchiato und ein Stück unglaublich mächtigen Schokokuchen (der glutenfrei war, soweit ich mich erinnere) für umgerechnet 6€. Preislich also etwa vergleichbar mit dem, was man auch bei uns so für einen Kaffee und ein Stück Kuchen bezahlt. Wir waren übrigens ziemlich früh dran und somit Samstag 9:30 Uhr fast die ersten Gäste, aber ich kann mir vorstellen, dass es dort sonst ordentlich voll ist, vorallem weil es nur einen Katzensprung von der Einkaufsmeile entfernt ist.

Pastacaffé: am Sonntag haben wir uns ein ausgiebiges Frühstück in einem weiteren der unzähligen modernen Cafés gegönnt. Stilvoll und mit nicht all zu vielen Tischen ausgestattet, war das Pastacaffé sehr gut besucht. (Wer hier als Familie hingehen möchte, sollte vielleicht lieber vorher reservieren.) Jetzt beim nachträglichen Blick auf den Kassenzettel ist mir übrigens bewusst geworden ist, dass wir hier zu zweit für 511Kč (um die 18€) auf keinen Fall günstiger gegessen haben, als wir es in Deutschland hätten tun können. (Aber ich schätze, die müssen eben ihre vielen Mitarbeiter bezahlen, die den Großteil der Zeit, die wir dort verbracht haben, allesamt nur herumstanden. So viel Personal würde man in einem Lokal der Größe in Deutschland wahrscheinlich nirgends finden.) Empfehlen kann ich es aber in jedem Fall, denn es hat geschmeckt und die Atmosphäre hat mir gefallen.

Paul: eine Bäckereikette (ursprünglich aus Frankreich), in der wir eigentlich nur zufällig gelandet sind, weil ich vom vielen Laufen unglaublich erschöpft war und zugegebenermaßen ein bisschen grantig wurde. (Ups!) Der Grüntee und ein pain au chocolat kamen da jedenfalls gerade recht. Es war klein, so gemütlich wie ein Bäckerladen nun mal sein kann und gut gefüllt, aber wohl alles andere als typisch tschechisch.

Lokál: ein gut besuchtes Lokal (nochmal duh!) mit Kantinen-Charme (den man mögen muss, ich persönlich aber sehr passend fand). Wir haben hier den Großteil unseres Sonntagnachmittag verbracht und uns neben einem anderen deutschen Pärchen fast wie zuhause gefühlt. Ich hatte einen Salat mit Hühnchen, der eher unspektakulär war, wahrscheinlich wäre ich mit einem böhmischen Gericht besser bedient gewesen. Als ich einen Kaffee mit Milch bestellte, bekam ich eine winzige Tasse mit Espresso und dazu ein noch winzigeren Kännchen voll Milch und war kurz irritiert, aber vielleicht bekommt man das ja sonst auch überall so? Gefallen hat es mir dennoch sehr, irgendwie mochte ich diesen entspannten Mensa-Stil und preislich ist es okay.

Kolkovna Celnice: gute und vorallem vergleichsweise günstige böhmische Küche. Für insgesamt 532Kč (umgerechnet etwa 20€) hatten wir hier jeder ein kleines Pilsner Urquell, eine Suppe mit ordentlich Hühnchen und eine fleischige Hauptspeise mit Knödeln. Satt wird man hier selbst für wenig Geld auf jeden Fall. Außerdem hat es geschmeckt (was ja eigentlich die Hauptsache ist) und das Essen kam zudem recht zügig, was mir mit meinem Bärenhunger sehr entgegen kam. Gefallen hat mir auch das Kneipen-Ambiente und der Anzahl an Gästen nach zu urteilen, geht es so auch vielen anderen. Definitiv eine Empfehlung von mir!

By the way: wer spontan auf der Suche nach einem netten Lokal ist, wird in und um Josefov - dem jüdischen Viertel von Prag - garantiert fündig. Auf unserem Spaziergang durch diesen Teil der Stadt sind wir an so vielen hippen Bars, Cafés und Restaurants vorbeigelaufen, selbst wenn wir zwei Wochen Zeit gehabt hätten, wir hätten nicht die Hälfte davon besuchen und testen können. 

Dort befinden sich übrigens auch einige der Lokalitäten, die ich mir bei meiner Recherche im Voraus notiert hatte, in denen wir letztendlich aber nicht waren: das Sisters, ein gut bewertetes kleines Bistro mit einer Auswahl an Schnittchen (leider hatte es am Sonntag, als wir vorbeischauen wollten, geschlossen); die Fleischerei Naše Maso (gleich neben dem Sisters und ebenfalls sonntags geschlossen), in der man nicht nur Fleisch kaufen, sondern es auch gleich verzehren kann; oder auch der Bakeshop und das Bistro Home Kitchen, nur um eine kleine zusätzliche Auswahl zu nennen.

Fazit:
Prag lohnt sich wirklich; die Stadt ist unglaublich vielseitig und weltoffen. Atemberaubende gotische Architektur findet man direkt neben Plattenbauten aus Zeiten der Tschechoslowakei. Man kann gut essen, den Einkaufsstraßen nach zu urteilen ausgiebig shoppen (Marks and Spencer, Sephora und Co. habe ich mir entgehen lassen), und meinem Kollegen zufolge auch sehr gut feiern (was wir ausgelassen haben, um so viel wie möglich von der Stadt sehen zu können und ehm, weil feiern einfach nicht so mein größtes Hobby ist). Innerhalb von zwei Tagen konnte ich mir definitiv einen netten Überblick verschaffen, aber längst nicht alles sehen, und ich denke, ich werde eines Tages wiederkommen.

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1 comment/s

  1. Ich war in der Oberstufe in Prag und fand es auch wirklich schön. Leider wussten wir nicht das unsere Jugendherberge/das Hotel nur mit Frühstück kam, wir hatten also nicht genug Geld um es uns gut gehen zu lassen. Ich erinnere mich aber noch an eine teure Pizza in einer Fußgängerzone und Cocktails to Go am Straßenrand. Und an diesen tollen Süßigkeitenladen in dem man zusehen konnte wie filigrane Bonbons entstehen. Die Bonbons waren echt lecker, aber da sie mir zu lecker zum sofort essen waren sind sie mir dann doch schlecht geworden :'D

    Und deine Hotelangst kann ich nachvollziehen, seit meinem letzten Hostelbesuch gebe ich dann doch lieber das Geld für ein zentral gelegenes Hotel aus. Dabei hatte ich mein erstes Hostel in Amerika noch so positiv in Erinnerung!

    Das Layout mit den Instastorybildern gefällt mir übrigens unheimlich gut :)

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