die Sache mit dem Sport und der Routine

January 22, 2017

Wie ein Wackelpudding schwabbelt man in den Tagen nach Weihnachten vom Sofa zum noch immer vollgestopften Kühlschrank zum Bett und wieder zurück und fühlt sich dabei, als hätte man über die Feiertage mindestens 10 Kilo zugenommen. Mit vollem Bauch und müden Knochen kämpft man sich Tag um Tag ein Stück näher in Richtung Neujahr, ein Stück näher in Richtung Tag 1, in Richtung Erlösung.

Dann wird alles besser. Endlich mehr Sport, mindestens 5 Tage die Woche. Ach, und gesunde Ernährung. Abends nur Salat, keine Süßigkeiten. Natürlich auch kein Alkohol, keine Zigaretten, kein Trash-TV. Dieses Mal wird alles anders; dieses Mal wird es durchgezogen. Diesmal wirklich.

Drei Wochen später hängt man abends mit der Schüssel voll Popcorn auf der Couch, trinkt ein Gläschen Rotwein, oder vier, und schaut Frauentausch. Sport? Keine Zeit!

Wer kennt das nicht?

Ich muss gestehen, dass ich im Allgemeinen nicht viel von Vorsätzen halte und mir deshalb schon länger gar nicht mehr die Mühe mache, zum Beginn eines neuen Jahres irgendeine Liste mit irgendwelchen Entschlüssen zu schreiben, die ich am Ende doch nie in die Tat umsetze. Manch einen mag das vielleicht motivieren, sich seine Ziele vor Augen zu führen und dann möglicherweise doch eines Tages von der Liste abzuhacken. (Im November hatte ich sowas tatsächlich ja auch mal aus reinem Interesse mit eher mäßigem Erfolg probiert.) 

Aber ich bin der Meinung, dass es 1. nicht diesen Tag 1 am Anfang eines neuen Jahres, oder Monats, oder einer neuen Woche braucht, um Dinge anfangen oder in seinem Leben ändern zu können und 2. Neujahrsvosätze oftmals viel zu umfangreich gemacht, aber im Detail doch zu oberflächlich ausformuliert werden. Mehr Sport ist eben doch sehr vage ausgedrückt. Wenn man das auch noch mit den Punkten gesunde Ernährung und keine Süßigkeiten, kein Alkohol, kein Garnichts kombiniert, versucht man dann, gleichzeitig an der Änderung unheimlich vieler Gewohnheiten zu arbeiten. Da ist es doch besser, nur einige konkrete Dinge auf einmal und nur Schritt für Schritt anzugehen, aber diese wenigen Punkte klarer zu formulieren. 

Als ich im Sommer vergangenen Jahres angefangen habe, regelmäßig Sport zu machen, hat es mir unglaublich geholfen, der sportlichen Betätigung einen festen Platz in meinem Wochenablauf zuzuweisen. Da stand nicht mehr Sport irgendwo in meinem Kalender, sondern jeden Freitag 9 Uhr Laufen mit Lisa. Und das habe ich dann auch so getan. Jeden Freitag 9 Uhr habe ich mich an der Straßenecke mit meiner Freundin getroffen und wir sind gemeinsam eine Runde zum Joggen in den Park gegangen. Natürlich hat es mir anfangs unglaublich geholfen, einen Sportbuddy zu haben, denn so eine Verabredung lässt man eben doch nicht einfach so ausfallen, und man kann sich noch dazu gegenseitig motivieren und antreiben. (Wobei Lisa eher mich angetrieben hat, als ich sie, haha.) Irgendwann haben wir es aus zeitlichen und gesundheitlichen Gründen nicht mehr geschafft, gemeinsam Laufen zu gehen, aber da war dieser Termin am Freitagmorgen bei mir schon so fest in die Routine integriert, dass ich eben einfach allein losgerannt bin. In der Zwischenzeit hatte ich auch schon weitere Workouts in meine Wochenplanung aufgenommen.

Ich war wirklich immer der Meinung, ich müsse der unsportlichste Mensch auf der Welt sein, aber das hat sich wohl in den letzten Monaten schleichend geändert. Mit keinem Wort würde ich von mir behaupten, dass ich super fit bin, und ich habe mit ziemlicher Sicherheit auch nicht abgenommen (eben weil ich noch viel zu gern Süßigkeiten in mich reinstopfe), aber es tut dennoch gut, wenigstens ein bisschen auf sich und seinen Körper zu achten. Vorallem, wenn man jeden Tag den ganzen Tag mit schmerzenden Schultern am Schreibtisch sitzt.

Genau aus diesem Grund kann ich mich übrigens zum Sport überwinden: weil ich merke, wie sehr mein Körper diesen Ausgleich nach 8 Stunden auf dem Bürostuhl verlangt. Außerdem werde ich immer wieder dadurch motiviert, wie ich mich nach dem Sport fühle. Meist bin ich erstmal verschwitzt und für ein paar Minuten fertig mit der Welt, aber nach der Dusche habe ich neue Energie und weiß, dass ich wieder etwas für mich und mein Wohlbefinden getan habe. 

Zugegebenermaßen hat es mir meine längere Sportpause im November ziemlich schwer gemacht. Und die Dunkelheit. Im Frühherbst war ich häufiger auch abends eine Runde im Park und hab mir nach dem Bürotag den Stress aus den Knochen gerannt. Doch wenn es 16 Uhr stockfinster ist, mache ich das eher ungern. 

Da kamen Philipp und ich eines Tages auf die Idee, wir könnten doch mal gemeinsam schwimmen gehen. In Ermangelung einer passenden Badebekleidung zog ich los und kaufte mir für diesen Anlass einen neuen Bikini. Einen, in dem man auch wirklich schwimmen kann. Und als ich da im Sportgeschäft in der Umkleide stand und meinen Bauchspeck begutachtete, wurde mir bewusst, dass ich keine 40€ für einen einstündigen Besuch im Schwimmbad ausgebe. Eigentlich kann ich doch auch einfach alleine schwimmen gehen. Also Internet an, Schwimmhallen recherchiert, die beste öffentliche Schwimmzeit notiert, und plitsch platsch. Seitdem steht in meinem Kalender jeden Mittwoch 15 bis 21 Uhr Schwimmhalle geöffnet. Und seitdem fahre ich jeden Mittwoch direkt nach der Arbeit hin und ziehe meine Bahnen. Zusätzlich dazu versuche ich, mir mindestens 3 x die Woche (meistens montags, dienstags und freitags) abends eine halbe Stunde Zeit für Homeworkouts von FitnessBlender zu nehmen.

Eine bestimmte Uhrzeit an einem bestimmten Tag im Kalender für eine bestimmte Tätigkeit vorzusehen, macht es meiner Erfahrung nach übrigens sehr viel leichter, die Tätigkeit in die Routine aufzunehmen und sich nach gewisser Zeit aus Gewohnheit daran zu halten. Egal, ob das heißt, jeden Mittwochnachmittag zur Schwimmhalle zu fahren, oder immer Freitagfrüh im Park zu joggen. Wenn die Lieblingsserie im TV läuft, schafft man es ja auch, genau dann vor dem Fernseher zu sitzen. Da sollte also auch genug freie Zeit im Terminkalender bleiben, um ein 20-minütiges Workout einmal die Woche einzubauen.

Natürlich lässt sich diese Termin-Taktik auch auf jede andere Tätigkeit anwenden. Wenn man zum Beispiel vor hat, ein Projekt endlich umzusetzen. Oder wenn es einem schwer fällt, Dinge im Haushalt zu erledigen. Oder wenn man sich selten Zeit zum Kochen nimmt, das aber gern viel öfter viel ausführlicher tun würde. Natürlich ist es schwachsinnig, seinen gesamten Tagesablauf minutengenau detailliert einzutakten und sich zu sehr unter Druck zu setzen, aber wenn man bestimmte Dinge gern umsetzen möchte, kann es doch hilfreich sein. Bei mir steht ab heute übrigens auch im Kalender jeden Dienstagabend 2 Stunden an neuen Blogposts arbeiten.

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2 comment/s

  1. Wirklich ein toller Blogpost, Luisa!

    Eigentlich schon ein bisschen lustig, dass wir scheinbar beide im Sommer beschlossen haben, es mit Sport nochmal zu probieren. Ich bin beim Laufen geblieben. Das ist das einfachste für mich. Selbst jetzt bei den Temperaturen geht das sehr gut, wenn man ein bisschen auf die Kleidung achtet.
    Aber generell tun Termine mit sich selbst gut. Und Verabredungen mit anderen.


    Für mich hat es auch geholfen einen Laufplan zu haben.
    Ich hab es als blutiger Laufanfänger(nach 100 Metern war ich schon außer Puste. Und das ist nicht gelogen) mit diesem Plan hier geschafft, eine annehmbare Grundkondition aufzubauen. Ziel ist: Nach 30 Tagen 20 Minuten am Stück laufen können. -> http://getreadytorun.de/challenge/
    Es war tatsächlich auch Ansporn, mich selbst zu challengen.
    Noch besser: gemeinsam mit jemandem die Challenge bestreiten.

    Die Vorgaben, die tatsächlich sehr realistisch sind, haben mir sehr geholfen! Gerade auch am Anfang, nicht zu sehr enttäuscht zu sein, wenn man es nicht schafft, 1km ohne Pause zu laufen. Das muss man nämlich garnicht.
    Langsame und dafür stetige Schritte in die richtige Richtung sind so viel besser als einer, der zu groß war und der dann dazu führt, dass man die nächsten 3 Tage mit Muskelkater ausgeknockt ist.
    Und trotzdem war es Herausforderung. Und ich musste jedes Mal wieder beißen, um das Tagesziel zu erreichen. Das ganze lohnt sich am Ende aber auch. Man merkt, wie man auf einmal besser wird und die Strecken, bei denen man vorher gekämpft hat, auf einmal problemloser bewältigt.

    Ich merke jetzt richtig, wie mir vorher ein Ausgleich gefehlt hat, um mal meinen Kopf auszuschalten und mich körperlich so fertig zu machen, neben all dem Uni-Kram.
    Wenn ich deprimiert oder gestresst heim komme, dann hilft es mir echt, einfach die Schuhe zu binden und das wegzulaufen. Und das ist toll!

    Liebe Grüße
    Julia

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  2. Ah, den Post hier hatte ich schon zwanzig mal im Sinn zu lesen und dann doch vergessen. BIS JETZT. Hab' mich übrigens gestern im Fitness-Studio angemeldet und plane schon ganz fieberhaft wann ich nächste Woche mindestens zwei mal Zeit finde (weil Projekt und so). Ab der Woche danach soll's dann drei mal die Woche werden, und ich glaube ich orientiere mich da mal an dir und versuch das regulär zu planen, dann versuch' ich auch nicht drumrum zu kommen.

    Wenn ich jetzt auch noch so viel Bock auf mein Projekt hier hätte, dann wär' das wahrlich was.

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