zur Aussicht

October 23, 2016

Ich habe Sonntage noch nie besonders gemocht. Den gesamten Tag wird man unterbewusst von dem Gedanken begleitet, dass man seine Zeit krampfhaft sinnvoll nutzen und genießen muss, denn immerhin wird man am Montagmorgen ja wieder qualvoll vom Wecker aus dem Schlaf gerissen und muss gut gelaunt und erholt in eine neue Woche starten. (Wer kennt es nicht?)

Ich habe Sonntage noch nie besonders gemocht, nichtsdestotrotz habe ich in den letzten Wochen begonnen, mich mit der Vorstellung von entspannten Sonntagen anzufreunden. Nicht ständig über morgen nachdenkt. Nicht ständig auf die Uhr schauen, um zu checken, wieviele Stunden einem wohl noch vom Wochenende bleiben. Wie oft mir auffällt, dass wir viel zu sehr in der Zukunft leben und dabei vergessen, das Hier und Jetzt zu genießen. 

Letztes Wochenende habe ich bei einem spontanen Sonntagsspaziergang jegliches Zeitgefühl verloren. Es war erfrischend, durch die Felsen zu wandern, immer höher zur Aussicht zu stapfen, ohne dabei an irgendetwas als den Moment zu denken. Auf der Suche nach Motiven blende ich oft alles um mich herum aus. Da spielt es keine Rolle mehr, welcher Tag oder wieviel Uhr es ist. Da zählt nur das Klicken der Kamera.

Zurück am Auto war ich dann dennoch froh, als ich sah, dass vom Sonntag noch einige Stunden blieben. Denn Sonntage sind jetzt (fast) immer auch Abschiede. Und genau aus diesem Grund möchte ich sie noch bewusster erleben, ohne ständig an ein nahendes Ende des Wochenendes zu denken.



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