Samstagabendspaziergang

September 28, 2016

Ein Samstagabend, irgendwann im September, irgendwo in Deutschland. 

Wir sitzen auf einer der endlos wirkenden Treppen in den Weinbergen, umgeben von herbstlicher Luft und Rebstöcken, die Stadt unter uns wie eine Miniaturlandschaft. Die Sonne haben wir verpasst, sie hat sich während unseres kurzen Spaziergangs durch die Hügel bereits hinter den Wolken am Horizont verkrochen. Doch der Himmel leuchtet noch feuerrot und Flugzeuge hinterlassen in der Ferne noch glühende Kondensstreifen. 

Wir sitzen und genießen den Ausblick, die Ruhe, die Kühle der nahenden Nacht. Von Minute zu Minute wird es dunkler, in den Häusern und auf den Straßen gehen die ersten Lichter an. Vereinzelt hört man die Geräusche der Zivilisation, doch die Welt zu unseren Füßen wirkt Meilen entfernt. Ich frage mich, wann ich zum letzten Mal einen so tollen Ausblick auf den Sonnenuntergang hatte. 

Solche Abendspaziergänge sind das, was mir in den vergangenen Monaten wahrscheinlich am meisten gefehlt hat. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich könnte ewig hier sitzen. Einfach in die Unendlichkeit starren und über das Leben reden, bis die Nacht uns vollständig umhüllt hat. Aber irgendwann holt die Vernunft uns auf den Boden der Tatsachen zurück; ein Genickbruch beim Abstieg durch die Dunkelheit käme dann wohl doch eher ungelegen.

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1 comment/s

  1. Traumhaft. Der Text zeichnet im Kopf zuerst eigenen Bilder, die sich dann wie Doppelbelichtungen in deinen verlieren. <3

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