ein Sonntag am Königssee


Nach unserem Besuch in Salzburg entschieden wir uns dafür, das wunderbare Sonntagswetter zu nutzen und zum Königssee zu fahren. Als wir den Ausflug planten, war mir anfangs gar nicht bewusst, dass Berechtesgaden und der Königssee so nah bei Salzburg liegen. (Habe Geografie nach der 10. Klasse abgewählt und durch Astronomie ersetzt und merke immer wieder, dass mir das für mein Alltagsleben eher so mittelmäßig zugutekommt, haha.)

Wir starteten nach dem Frühstück, parkten das Auto auf dem Parkplatz in Schönau direkt am Königssee und kauften uns Bootstickets für die Hin- und Rückfahrt nach Salet. Gemeinsam mit gefühlt drei Millionen anderen Touristen fuhren wir einmal quer über den See. Die Fahrt mit Zwischenstopp in St. Bartholomä war recht lang, doch keinesfalls langweilig. Es wurde über den Königssee erzählt und wir genossen den Blick auf die Berge.


Natürlich hatten wir uns im Voraus darauf eingestellt, dass wir nicht allein am See sein würden - schließlich ist er eine echte Attraktion, besonders bei schönem Wetter. Es war auch recht gut besucht, aber glücklicherweise nicht zu überlaufen, was im Sommer sicherlich anders ist. Viele Passagiere fuhren auch gar nicht bis zur Endstation, sondern stiegen schon zwischendurch aus. Wir jedoch wollten zuerst bis zum Ende fahren, um von dort zum Obersee zu laufen. Nach unserer Ankunft in Salet saßen wir kurz am Seeufer in der Sonne und machten uns dann auf dem Weg zum Spaziergang.


Auf Instagram hatte ich schon etliche Male das Motiv von dem kleinen Bootshaus direkt am Obersee gesehen und natürlich wollte ich auch gern so ein Foto machen. Doch dort war es extrem überlaufen und durch die starke Mittagssonne waren die Bedingungen auch sonst nicht unbedingt optimal zum Fotografieren. Statt lange zwischen den anderen Besuchern zu warten, entschieden wir uns direkt dafür, weiter zur Fischunkelalm auf der anderen Seite des Sees zu wandern.


Nach dem halbstündigen Spaziergang über Stock und Stein und ein paar felsige Treppen kamen wir schließlich an der Alm an. Wir gönnten uns eine kühle Apfelschorle und saßen eine Weile zwischen den anderen Touristen im Schatten des Hauses. Die Alm war auch ganz gut besucht, doch waren dort schon deutlich weniger Besucher, als noch auf der anderen Seite des Obersees. Offenbar lassen viele die kleine Wanderung aus - doch sie lohnt sich wirklich! Hätten wir etwas mehr Zeit gehabt, wären wir sicher auch noch weiter zum Wasserfall gewandert, doch wir wollten den Sonntag ohne viel Stress verbringen und für den Nachmittag waren Gewitter vorhergesagt. So konnten wir wenigstens in Ruhe direkt am See entspannen, ein bisschen Vitamin D tanken und den Ausblick genießen. Ein perfekt genutzter Sonntag - aktiv und gleichzeitig ruhig, so mag ich das am liebsten!


Tatsächlich gibt es direkt an der Fischunkelalm auch ein recht insta-taugliches Bootshäuschen, das sich als herrliches Fotomotiv bot. Tausend Mal besser als das Haus auf der anderen Seeseite! Wir schossen einige Fotos und liefen dann zurück nach Salet, von wo wir das Boot über den Königssee nahmen. Auf dem Rückweg machten wir Halt in St. Bartholomä, erkundeten die Insel, die Kirche, aßen ein Brot mit Räucherfischaufstrich (erstaunlich lecker!) und teilten uns einen Bauernkrapfen.

Langsam ging es auch auf den Nachmittag zu und da wir noch eine mehrstündige Heimfahrt vor uns hatten, reihten wir uns an der Schlage zum nächsten Boot zurück nach Schönau ein. Nach kurzem Warten und einer ruhigen Fahrt zurück über den See, stiegen wir mit heraufziehenden Wolken ins Auto und machten uns auf den Weg nach Hause. Wir hatten einen wirklich perfekten Tag, der sich wie ein echter Urlaubstag anfühlte und uns neue Kraft für die kommende Woche schenkte. Auf der Fahrt über die Autobahn freute ich mich noch über die aufziehenden Gewitter und dann war der Wochenendausflug auch schon wieder vorbei.

exploring Salzburg


Für den Mai hatten wir uns vorgenommen, mal wieder einen Wochenendausflug zu machen. Wir wollten nicht zu weit fahren, aber eben weit genug, dass ein klitzekleines bisschen Urlaubsgefühl aufkommen würde. Unsere Wahl fiel dann nach kurzer Überlegung relativ schnell auf Salzburg. Ich kannte die Stadt nicht, hatte aber schon sehr viel Positives darüber gehört: schöne Gebäude, Burgen und Kirchen, am Fluss gelegen, umgeben von Hügeln und Bergen. Perfekt, denn ich wollte mal wieder die Alpen sehen. Außerdem: Käsespätzle und Kaiserschmarren!


Wir suchten uns eine Unterkunft und entschieden uns für ein Hotel in einem kleinen Ort noch auf deutscher Seite. Nah genug an der Grenze, dass man schnell in die Stadt kam, doch weit genug von Salzburg, dass es noch bezahlbar war. Ich recherchiere und vergleiche schon immer ein bisschen im Voraus und versuche, Wochenendausflüge für uns möglichst sinnvoll zu planen. Eine Unterkunft direkt in der Stadt hätte für uns wenig Sinn ergeben und im Nachhinein bin ich auch froh, dass wir uns nach einigen Stunden wieder aus dem Getummel verziehen konnten. Salzburg ist nämlich ziemlich überlaufen, wie wir festgestellt haben. 

Am Freitagabend reisten wir nach einer ziemlich langen Fahrt über diverse Landstraßen im Hotel an, gönnten uns Schnitzel, Spätzle und Bier in einem örtlichen Lokal und gingen erschöpft ins Bett. Nach dem Frühstück am Samtag fuhren wir am Vormittag erst zur Salzburger Ikea-Filiale, weil Philipp dort noch etwas besorgen wollte, und dann weiter zum P+R an der Messe. Von dort nahmen wir den Bus in die Stadt - ging total schnell und unkompliziert.

In der Innenstadt angekommen, liefen wir erst ein bisschen planlos durch die Gassen und machten uns dann auf den Weg in Richtung Festung. Wir hatten bereits vorher eine Karte mit Sehenswürdigkeiten zusammengestellt, folgten aber größtenteils unserer Nase und sammelten unterwegs noch ein paar Geocaches auf. Wir wählten Wege, auf denen sich weniger andere Touristen sammelten und genossen den Ausblick über die Stadt vom Nonnberg und Mönchsberg aus. Ich liebe es, fremde Städte zu Fuß zu erkunden und einfach dahin zu spazieren, wohin es mich zieht. Oft notiere ich mir zwar ein paar Spots, die ich anschauen möchte, letztendlich meide ich dann aber die Plätze, an denen sich viele andere Besucher sammeln.

Vorallem auf der Einkaufsmeile/Getreidegasse habe ich es zwischen Menschenmengen nicht lange ausgehalten. Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem kleinen Lokal, in dem wir eine Portion Kaiserschmarren essen wollten, aber leider war es mir dort dann doch zu voll und zu hektisch. Stattdessen spazierten rüber wir auf die andere Seite der Salzach, holten uns irgendwo ein Eis und entdeckten einen kleinen Friedhof, der uns einige Minuten lang Ruhe vor dem Stadtgetümmel schenkte. Wir besuchten noch den Mirabellgarten und stellten wieder fest, dass wir doch eher Wandertypen sind und lieber raus in die Natur gehen. So ein paar Stunden in der Großstadt genügen uns meist, um uns einen Eindruck zu verschaffen. Auch wenn die Stadt wunderschön und auf jeden Fall sehenswert ist, am Ende des Tages sind wir vom Menschengetummel immer vollkommen erschöpft.


Salzburg hat natürlich sicherlich noch viel mehr zu bieten als das, was wir bei unserem kurzen Besuch zu sehen bekamen. Trotz Getummel hat mir die Stadt sehr gut gefallen, weil sie sehr grün und naturnah ist, aber ebenso architektonisch wirklich etwas hermacht. Nach meinem Geschmack hätten natürlich weniger andere Touristen da sein können, aber bei so einer schönen Stadt verstehe ich natürlich, dass sie ein wahrer Besuchermagnet ist.

Meine liebsten Spots unserer Erkundungsrunde waren folgende:

Kapitelplatz - ein großer Platz, den ich mitten in der Stadt in dem Ausmaß gar nicht erwartet hatte. Man hat dort einen schönen Blick auf den Dom und die umliegenden Gebäude. Ich war ein bisschen überwältigt von der tollen, herrschaftlichen Architketur. Natürlich war hier einiges los und wir verbrachten deshalb nicht viel Zeit dort.

Nonnbergstiege - diese Treppe hinauf Richtung Festung war überraschenderweise recht wenig frequentiert. Die meisten Besucher nehmen wahrscheinlich die Bahn hinauf zur Festung und sparen sich den Fußweg. Für uns hat sich der Aufstieg aber auf jeden Fall gelohnt - toller Ausblick!

Aussichtspunkt an der Stiftskirche Nonnberg - von hier hat man einen tollen Blick nach Süden auf die Stadt und die Berge. Wir standen dort bestimmt eine viertel Stunde, beobachteten das Treiben unten in der Stadt und genossen die Ausblick und die Sonne.

Nonnberggasse - läuft man die Straße entlang, hat man einen guten Blick auf die Dächer der Kirchen und Gebäude der Innenstadt. Von oben wirkt Salzburg viel kleiner, als es tatsächlich ist. Das Ausmaß der großen Plätze geht verloren und der Hügel auf der anderen Seite der Stadt wirkt unheimlich nah. Dieses Phänomen hat mich irgendwie total überrascht. Unterschiedliche Perspektiven der Stadt können einen so vielfältigen Eindruck verschaffen.

Freyschlössl Roter Turm - ein wunderschönes Anwesen umgeben von Bäumen und mit Blick auf die Festung. Hätte nichts dagegen, dort zu wohnen, haha. Oben über der Stadt, mitten drin und trotzdem ruhig gelegen.

Mönchsberg - eine grüne Oase auf dem Hügel mitten in der Stadt. Dort zu spazieren fühlte sich an, als wären wir gar nicht mehr in der Stadt. Nur von Ferne hörte man die Autos und Menschenmengen, doch der Spaziergang durch den Wald und Park war unfassbar entspannend.

Museum der Moderne - wir waren zwar nicht drin, aber das Museum an sich ist bestimmt auch sehenswert. Stattdessen genossen wir dort wieder den Ausblick und nutzen den Aufzug hinunter in die Stadt.

Friedhof St. Sebastian - in einem Innenhof verbirgt sich dieser Friedhof. Als echter Friedhof-Fan war ich natürlich fasziniert. Wahrscheinlich gehen hier viele Leute auch einfach vorbei, aber ich liebe solche Orte, eben wegen der Friedlichkeit und Atmösphäre, den sie ausstrahlen.

Mirabellgarten - auch wenn Schloss und Garten überlaufen waren, hat es mir dort gut gefallen. Wir ergatterten eine leere Bank, saßen dort eine Weile und beobachteteten die Massen, die dort am Brunnen ihre Posen einnahmen und voneinender Fotos schossen.

Elisabethkai - am Fluss entlang sind wir hier wieder in Richtung Griesgasse gelaufen. Überraschenderweise war der Kai gar nicht überlaufen und wir konnten ganz entspannt den Spaziergang genießen.

die Sache mit der Selbstwahrnehmung



Irgendwo im Netz las ich die Tage, dass der zweite Montag im Mai immer den Beginn der mental health awareness week im UK markiert. Nun bin ich zwar nicht im Vereinigten Königreich und die Woche ist auch schon fast wieder rum, aber irgendwie ist das doch trotzdem ein schöner Anlass, mal wieder ein paar meiner Gedanken zu mental health freizulassen. Also, eigentlich ist auch jeder Tag ein perfekter Anlass dazu, aber ich könnte halt auch ständig darüber sprechen und suche immer nach den passenden Gelegenheiten. Zumal es dieses Jahr dabei um das Thema body image geht.

MENTAL HEALTH AWARENESS WEEK 2019: BODY IMAGE

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich derzeit wieder sehr mit meiner Selbstwahrnehmung zu kämpfen habe und mir das ziemlich zu schaffen macht. Gerade deswegen ist es mir wichtig, die Sache wieder zu thematisieren, besonders für mich selbst. Zwar habe ich das Thema hier und da schon mehrfach angesprochen, doch offensichtlich habe ich noch nicht genug gesagt. Glaube ich?

Es gibt Tage, an denen fühle ich mich echt okay in meiner Haut. Besonders seit ich regelmäßig Sport mache, mich auch im Arbeitsalltag mehr bewege und bewusster esse, merke ich, wie sich mein Körper langsam verändert. Aber dann gibt es auch wieder so Tage, an denen schaue ich in den Spiegel und sehe nur meine eigenen Makel. Das Fett, den Schwabbel, den Speck. Dann fange ich wieder an, mich mit anderen zu vergleichen und habe das Gefühl, anders sein zu müssen. Anders aussehen zu müssen? Dünner, muskulöser, schlanker, sportlicher?

Besonders auf Instagram stolpere ich immer wieder in diese Falle - das Vergleichen. Scheinbar gibt es dort zwei Arten von Frauen: die, die ihren sportlichen Fortschritt teilen und der Welt zeigen, wie viel sie abgenommen und/oder wie viel Muskelmasse sie aufgebaut haben. Hashtag fit fam. Oder die, die sich zeigen, wie sie sind und deutlich machen, wie wohl sie sich in ihrem Körper fühlen. Ganz egal, wie dieser Körper auch aussehen mag. Hashtag body positivity. Ich bewundere das Selbstbewusstsein der Frauen, die das teilen, und doch wird mir dabei jedes Mal auf's Neue bewusst, dass ich eben weder besonders fit bin, noch dieses Bewusstsein und diese Wahrnehmung von meinem Körper habe.

Irgendwie frage ich mich dann, ob es denn eigentlich niemanden wie mich gibt, der auch tagtäglich mit seinem body image kämpft? Wenn die Haare nicht liegen und die Hose nicht sitzt und man sich selbst gegenüber eher nicht so positiv eingestellt ist? Wird einfach nicht darüber gesprochen, wie es ist, sich unwohl zu fühlen? Weil man sich selbst lieben sollte, wie man ist? Oder etwas verändern sollte, wenn man sich so nicht liebt? Ich versuche es ja! Jeden Tag! Aber es ist verdammt hart!

Ist es nicht okay, Probleme zu haben? Mit seinem eigenen inneren Dämon zu ringen? Wollen wir alle ständig nur nach außen das Bild vermitteln, unser Leben sei so wunderbar und wir würden uns rundum wohlfühlen? Entschuldigung, aber so läuft das bei mir nicht. Meine Selbstwahrnehmung hängt sehr stark mit meiner psychischen Gesundheit zusammen und diese ist eben leider eher instabil. Ich arbeite täglich an meiner Selbstakzeptant, aber irgendwie fühlt es sich einfach an wie die unendliche Geschichte. Wahrscheinlich wird dieser Prozess für mich nie abgeschlossen sein und ich werde immer mit mir hadern. Mein Perfektionismus macht mir das Leben in dem Zusammenhang wohl auch nicht gerade leichter.

Ich weiß, dass es Gift ist, sich mit anderen zu vergleichen. Dass wir alle verschieden sind und unterschiedliche Voraussetzungen haben. Dass ich lieber darauf zurückschauen sollte, wer und wo ich noch vor einem Jahr war und meinen Vergleich daraus ziehen sollte. Trotzdem fällt es schwer. Meine Selbstwahrnehmung ist echt ziemlich verzerrt und es ist unfassbar hart, mir das immer wieder vor Augen zu führen. Ich möchte mich ja so gern akzeptieren, wie ich bin. Und es gibt einen kleinen Teil von mir, der das bereits tut. Aber leider überwiegt dennoch der Teil, der echte Probleme damit hat. Der ständig hadert und sich schwach fühlt und der endlich begreifen darf, dass es okay ist, nicht ständig okay zu sein. Dass wir alle Probleme haben.

hätte, hätte, Fahrradkette



Als ich letztens mal wieder so durch meine alten Posts scrollte, wurde mir bewusst, dass ich wieder mehr schreiben möchte. Ich mag es, hier Gedanken festzuhalten und den Blog wie eine Art Tagebuch zu behandeln. Immerhin komme ich oft selbst hierher zurück, blättere durch die Seiten, schaue mir alte Erinnerungen an und lese Auszüge aus meinem Kopfchaos. Nur dieses Jahr gibt es bisher relativ wenig Chaos hier, auf das ich zurückblicken kann. Ich habe mich Anfang 2019 bewusst dafür entschieden, erstmal weniger zu teilen und es spricht auch für sich, dass es in den vergangenen Monaten sehr ruhig hier war. Ich fühlte mich übervoll und hatte häufig einfach gar nicht die Kraft und Zeit, Fotos zu schießen, meine Gedanken zu ordnen und hier in einem mehr oder minder ansehnlichen und aussagekräftigen Post zusammenzustellen.

Dennoch beschäftigen mich natürlich viele Themen, die ich als wertvoll empfinde und irgendwie auch einfach endlich mal aus meinem Kopf auf (digitales) Papier bringen möchte. Seit dieses eine Lied von Alice Merton im Radio auf und ab läuft, habe ich beispielsweise lang und ausgiebig darüber nachgedacht, ob ich irgendetwas in meinem Leben bereue. Ob ich rückblickend irgendetwas ändern würde. Auf Instagram hatte ich das schon angesprochen, aber die paar Zeichen in einer Bildunterschrift eignen sich auch nicht wirklich gut für lange Texte und oft habe ich auch das Gefühl, es liest eh niemand, haha.



Jedenfalls gibt es sicherlich Dinge, die ich nicht wieder genauso machen würde. Einfach, weil ich aus ihnen gelernt habe. Ich würde mir zum Beispiel nicht in naher Zukunft wieder eine Kurzhaarfrisur verpassen lassen - sah einfach schrecklich an mir aus und hat ewig gedauert, bis die Haare wieder einigermaßen lang waren. Manchmal wünschte ich auch, ich hätte nach dem Abi ein Auslandsjahr gemacht. Aber irgendwie fühlte ich mich nicht bereit dafür und deshalb sollte es wohl auch nicht sein. Eine der größten Entscheidungen, die ich heute anders treffen würde, ist wahrscheinlich die Wahl meines Studiums. Nach dem Abi hatte ich absolut keinen Plan und wusste nur, dass ich unbedingt studieren wollte. Rückblickend frage ich mich nun, warum zum Teufel ich nie über einen anderen Weg für mich nachgedacht habe, wo die Möglichkeiten doch geradezu endlos sind, aber für mich gab es damals nur die eine Route. Ich war eben jung und unerfahren. So fühle ich mich zwar heute auch noch, aber ich bin trotzdem (mental zumindest) sehr weit gekommen seit 2011/2012. 

Ich hatte nie das Bedürfnis, Architektin zu werden. Zwar fand ich Gebäude und Räumlichkeiten schon immer faszinierend, doch der Wunsch, Architektur zu studieren, war irgendwie eine Bauchentscheidung. Für mich war das Studium die perfekte Mischung aus künstlerischen und technischen Aspekten und auch heute finde ich die Thematiken rund ums Bauen immer noch mega interessant. Doch wäre ich dieses Jahr auf Studiensuche, würde ich etwas anderes studieren. Ich wollte nie Architektin werden. Ich wusste 2012 nur, dass ich Architektur studieren wollte. Für mich bedeutete das nicht automatisch, auch in dem Bereich mein ganzes Leben lang zu arbeiten. Und letztendlich ist es ja auch genau so für mich gekommen. 

Dezent dämlich, dass ich meinen Abschluss in einem Bereich gemacht habe, in dem ich gar nicht arbeiten möchte? Jein. Ich habe unfassbar viele Erfahrungen gesammelt, besonders in den vergangenen 7 Jahren. Jede meiner Entscheidungen hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Jede Entscheidung hat dazu beigetragen, dass ich jetzt hier bin, wo ich bin. Deswegen bereue ich auch keine dieser Entscheidungen. Natürlich habe ich über viele meiner Entscheidung lang und breit gegrübelt. Überlegt, ob sie wohl richtig oder falsch waren, sind, wären oder sein würden. Aber die Sache ist die, es gibt in vielen Dingen einfach kein richtig oder falsch. Es gibt nur die Möglichkeit, etwas auszuprobieren und dann festzustellen, ob es sich gut anfühlt oder nicht. 

Für mich hat sich die Arbeit als Architektin in Ingenieurbüros nicht gut angefühlt. Das habe ich ziemlich schnell festgestellt. Mittlerweile bin ich auch sicher, dass die damit verbundene Unzufriedenheit grundlegend zu meiner Depression beigetragen hat. Aber auch das ist etwas, was ich rückblickend nicht ändern würde, selbst wenn ich es könnte. Meine Depression hat mich so viel gelehrt in den letzten Jahren. Ich glaube erst dadurch habe ich begonnen darüber nachzudenken, was mir wirklich wichtig ist im Leben. Die Zeit in der Tagesklinik vor einem Jahr war unfassbar hart, aber sie war auch eine der wichtigsten und besten Zeiten für mich. 

I WANNA LIVE WITH NO REGRETS. 

Es gibt viele Dinge im Leben, die kann man nicht beinflussen. Die kann man nur annehmen, wie sie sind. Meine Therapeutin hat mir versucht zu vermitteln, wie wichtig diese Akzeptanz ist. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in vielen Aspekten damit noch immer hadere. Aber mit den Dingen, die sich nicht ändern lassen, muss man einfach lernen umzugehen. Man kann nur sich selbst ändern und die Art, wie man diese Dinge sieht und damit umgeht. Besonders im Zusammenhang mit Situationen und anderen Menschen kann das manchmal ziemlich schwer sein. Aber im Hinblick auf meine Vergangenheit fällt mir diese Akzeptanz glücklicherweise sehr leicht. Ich bereue keine meiner Entscheidungen. Ändern kann ich sie sowieso nicht mehr. 

Ehrlich gesagt lerne ich aber gerade erst, gelassener zu bleiben und nicht immer den "richtigen" Weg gehen zu wollen. Denn wie ich ja schon festgestellt habe, den gibt es einfach nicht. Meine Erfahrung hat mir auch gezeigt, dass man hinterher immer schlauer ist. Dass es sich lohnt, auch mal was "falsch" zu machen und daraus zu lernen. Nur so kann man sich entwickeln. In den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass es definitiv gut für mich war, nach Franken zu ziehen und mein komplettes Leben umzukrempeln. Doch ich habe auch gemerkt, dass es sehr viel Kraft gekostet hat und ich noch mehr auf mich achten muss. Ich hätte mir ein bisschen mehr Achtsamkeit, Gelassenheit und Lebensqualität für das erste Quartal von 2019 gewünscht. Doch hätte, hätte, Fahrradkette. Diese Dinge nehme und gönne ich mir jetzt.
 
Ich tippe diesen Text an einem Donnerstagvormittag, dem ersten Donnerstag seit Monaten, an dem ich nicht von 9 bis 18 Uhr im Büro hocke. Ich nehme mir diese Freiheit, mehr Zeit für mich zu haben und fühle mich jetzt schon unglaublich gut damit. Zukünftig möchte ich noch mehr darauf achten, damit ich nicht irgendwann zurückblicke und wünschte, ich hätte mir diese Zeit gegönnt.


ein paar (viele) ehrliche Worte


Seit Wochen nehme ich mir vor, einen neuen Blogpost zu schreiben. Ich wollte längst Eindrücke und Erinnerungen von unserem Besuch bei Jutta teilen, neue Rezepte fotografieren, von meinem aktuellen Job berichten und erzählen, was gerade so abgeht.

Stattdessen lag ich in den vergangenen Wochen abends nach der Arbeit meist nur noch ausgelaugt auf der Couch, vollkommen kraftlos und ohne jegliche Motivation. Ich habe weder den Balkon frühlingstauglich gestaltet, noch unsere Zimmerpflanzen umgetopft. Ich habe keine weiteren Urlaubspläne geschmiedet und meine anfängliche Vorfreude auf den Sommer hat sich irgendwie wieder verflüchtigt. Ich war kaum kreativ, habe seit Anfang April nicht eine weitere Seite in meinem Buch gelesen und fühle mich allgemein irgendwie eher unfähig. 

Ich habe viel erledigt, war ständig unterwegs: wir hatten Besuch von Freunden, waren auf einem Konzert, haben die Umgebung erkundet, über Ostern Zeit mit der Familie verbracht und neben Arbeit und Alltag irgendwie den Haushalt geschmissen. Doch trotz allem fühlt es sich für mich so an, als hätte ich nichts erlebt und noch weniger geschafft. Irgendwie habe ich im April rückblickend gar nicht bewusst gelebt.

Stattdessen habe ich mir selbst zu viel Stress gemacht und mal wieder meine Grenzen überschritten (ohne es zu merken). Bei der Arbeit hatte ich ständig 10 Dinge gleichzeitig zu tun, habe mehr gegeben als mir gut tut und trotzdem immer das Gefühl, dass es nie genug ist. Ich habe mehr gegessen als ich sollte und mich trotz regelmäßigem Sport umheimlich unwohl in meinem Körper gefühlt. Ich habe mich wieder zu sehr mit anderen verglichen. Ich habe zu viel nachgedacht und doch nie die richtigen Worte gefunden, meine Gedanken auszudrücken. Irgendwie fällt mir das immer schwer, weil da so ein Chaos herrscht. Oft weiß ich selbst nicht so genau, was eigentlich gerade abgeht. Das Einzige, was ich rückblickend weiß ist: im April war einfach alles zu viel. Ich fühle mich müde, ausgelaugt und erschöpft. Ich kann nicht mehr und sehne mich nach Ruhe.

 
Der Mai startet nächste Woche mit einem Feiertag - schon mal ein guter Beginn für den Monat. Er bringt für mich auch ein bisschen Veränderung und hoffentlich ein bisschen mehr Entspannung. Seit Monaten merke ich, dass ich mehr Zeit für mich brauche. Bereits im Januar habe ich darüber nachgedacht, meine Arbeitszeit zu reduzieren. Mein Perfektionismus sorgt in Kombination mit meiner Sensibilität dafür, dass nach einem 8-Stunden-Tag meine Batterien einfach am Ende sind. Ich hatte viel Geduld, doch nun merke ich, dass ich keine Kraft mehr habe. Natürlich bedeutet weniger Arbeit für mich auch weniger Geld, doch das ist es mir wert. Denn von Geld kann ich mir Gesundheit und Zeit nicht kaufen. Und beides hat für mich höchste Priorität.

Anfangs war ich okay damit, 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. Ich habe mich in dieses neue Leben gestürtzt, weil ich unglaublich viel Hoffnung auf Besserung hatte. Es sollte wieder aufwärts gehen! Doch mit der Zeit habe ich dadurch auch gemerkt, was mir eigentlich wirklich wichtig ist. Was ich erreichen und wie ich mein Leben gestalten möchte. Dazu gehört vorallem, bewusst zu leben. Dinge zu tun, die ich liebe und die mein Dasein so lebenswert machen. Nach der Arbeit war mir das in den letzten Monaten einfach nicht möglich. Ich habe irgendwie so dahin gelebt, die Tage sind an mir vorbeigegangen, ohne dass ich wirklich etwas davon hatte. Wie armseelig mir mein eigenes Leben vorkam. Ganz deutlich habe ich gemerkt: so kann das nicht weitergehen.

Ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, welcher der richtige Weg für mich ist. Tatsächlich tue ich das noch immer, täglich und viel zu viel. Ich habe mich faul und wertlos gefühlt, weil ich weniger arbeiten wollte. Trotzdem habe ich mich elend gefühlt beim Gedanken daran, weiterhin von 9 bis 18 Uhr im Büro zu hocken. Es gab Tage, da habe ich mich gefühlt, als stünde ich kurz vor dem Burnout. Es war ein bisschen wie damals, aber gleichzeitig auch anders als meine schlimmste Depressionsphase. Die Vorstellung, es könnte mir eines Tages wieder so schlecht gehen, ist der reinste Horror für mich. Deswegen versuche ich auch um jeden Preis (im wahrsten Sinne des Wortes), das zu vermeiden. Dennoch war es schwer für mich, zuzugeben, dass ich das einfach so nicht stemmen kann. Mir ist wieder bewusst geworden, dass ich alleine mein Leben wahrscheinlich nicht stemmen könnte. Und das hat mir unheimliche Angst gemacht. Abhängig zu sein von irgendwas, von irgendwem - das ist etwas, was ich immer versuche zu vermeiden. Trotzdem muss ich mich jetzt fallen lassen und darauf hoffen, irgendwie aufgefangen zu werden.

Ja, ich bin jung und eigentlich sollte ich alles geben. Und das tue ich auch. Doch muss ich mich nicht aufopfern für einen Job (egal wie viel Spaß er mir macht und ob ich dafür extra mit Sack und Pack aus der Heimat fortgegangen bin). Am Ende des Tages ist es nur ein Job. Ich arbeite, um zu leben, aber ich lebe nicht, um zu arbeiten. Mir, meiner Gesundheit und meiner Freizeit zuliebe nehme ich (noch) weniger Geld in Kauf. Ich habe mir viele Gedanken gemacht darüber, wie offen ich damit umgehen möchte und sollte. Ich habe damit gerechnet, belächelt zu werden. Doch tatsächlich wurde ich vorallem als meinem privaten Umfeld bestärkt im Gedanken, dass diese Entscheidung richtig und wichtig für mich ist.

Zwar fühlt es sich für mich an, als würde ich einen gesellschaftlichen Rückschritt machen, doch davon muss ich mich gedanklich distanzieren. Klar, ich bediene die klassiche Genderrolle und das geht mir gehörig auf den Nerv: ich verdiene bei gleicher Arbeitszeit und nicht weniger anspruchsvollen Aufgaben deutlich weniger als Philipp zum Beispiel. Ich schmeiße den Haushalt während er auf Dienstreise ist und sorge dafür, dass unser Leben halbwegs organisiert ist. Allein das zu schreiben fühlt sich an, als würde ich gerade sämtliche Tabus brechen. Aber so ist es nun mal! Ich neige auch ständig dazu, mich rechtfertigen zu wollen und habe mehr als einmal sichergestellt, dass meine Entscheidung auch für uns, unsere Beziehung und unsere Zukunft so okay ist. Immer wieder muss ich mir vor Augen führen, warum ich das tue: für mein Wohlbefinden, mehr Freiheit, mehr Balance.

Zukünftig möchte ich mich noch umfassender mit dem Thema Arbeit, Arbeitseinstellung und Arbeitszeit beschäftigen. Ich möchte meinen eigenen Weg und eben eine Art Gleichgewicht für mich selbst finden. Genau deshalb habe ich auch entschlossen, offen damit umzugehen. Weil es eben auch alles Teil meiner andauernden Genesung und des Prozesses hin zu einem besseren Leben ist. Und jetzt reicht es erstmal. Vielleicht sollte ich häufiger mal ein paar kurze Posts schreiben, statt einmal alle paar Lichjahre so einen Roman auszuspucken. Vielleicht ist demnächst wieder mehr Zeit.

Rezept: Hefeschnecken mit Beerenfüllung und Streuseln



Wer mir auf Instagram folgt, hat mittlerweile wahrscheinlich mitbekommen, dass ich es liebe zu backen. Seitdem ich vor einigen Jahren zum ersten Mal Zimtschnecken selbst gemacht habe, gehört Hefegebäck zu meinen absoluten Favoriten. Lange Zeit hatte ich mich nicht an das Backen mit Hefe gewagt, denn irgendwie klang die Zubereitung immer ziemlich kompliziert. Doch wenn man ein paar einfache Regeln befolgt, ist es eigentlich ganz easy. (Die frische Hefe sollte man beispielsweise niemals direkt mit Salz vermengen, das mag sie gar nicht!) Und am Ende hat man garantiert einen wunderbar fluffigen Teig, der sich nach Belieben füllen und abwandeln lässt!

Die klassische Zimtschnecke ist noch immer mein Liebling, doch vor einigen Wochen habe ich mich mal an etwas Neues gewagt: Hefeschnecken mit Beerenfüllung und Streuseln. Das Ganze ist eher eine Art Auflauf geworden als einzelne Schnecken, was wohl auch der Form geschuldet ist, doch das tut dem Geschmack natürlich keinen Abbruch. Gefüllt hatte ich die Schnecken mit Blaubeeren und Himbeeren und sie waren wunderbar saftig und fruchtig. Die Streusel haben dem Ganzen dann noch einen leichten Knusperfaktor gegeben.

Mich hat jedenfalls die Lust gepackt, hier zukünftig auch meine Back-Leidenschaft zu teilen, deswegen gibt es heute mein erstes Rezept! Ich bin zwar längst kein Profi und finde Backen auch leider (noch) nicht so intuitiv wie Kochen, aber mit jedem neuen Gebäck, was ich aus dem Ofen hole, wächst meine Erfahrung (und mein Bauch, haha).


ZUTATEN
Für die Schnecken:
1/2 Würfel Hefe
250 ml Milch
75 g Zucker
75 g Butter
1 Ei
500 g Mehl
Prise Salz
Prise Kardamom

Für die Füllung:
50 g Butter
50 g Zucker
1 EL Zimt
300 g Blaubeeren/Himbeeren

Für die Streusel:
20g Butter
20 g Zucker
50 g Mehl/gemahlene Nüsse/Haferflocken
Prise Zimt

Zusätzlich:
etwas Milch zum Bestreichen der Schnecken vor dem Backen
1 EL Milch und 100 g Puderzucker, um es nach dem Backen über den Schnecken zu verteilen

ZUBEREITUNG
Für die Schnecken:
1. Hefe in die lauwarme Milch bröckeln, Zucker hinzugeben und verrühren
2. das Gemisch so lange beiseite stellen, bis sich die Hefe aufgelöst hat und das Ganze leicht zu schäumen beginnt
3. Butter schmelzen (mache ich gern in der Mikrowelle, aber Vorsicht, dass es nicht explodiert!), dann mit dem Ei verrühren und zur Hefe-Milch geben
4. Mehl mit dem Salz und Kardmom vermengen, dann nach und nach unter die flüssigen Zutaten rühren
5. alles gut mit den Händen zu einem geschmeidigen Teig verkneten (sollte der Teig zu klebrig sein, solange Mehl hinzufügen, bis er nicht mehr an den Fingern klebt)
6. Teig in eine große Schüssel geben, mit einem Tuch bedecken und an einem warmen Ort für mindestens 1 Stunde gehen lassen (der Teig geht etwa um das Doppelte auf)
7. wenn der Teig aufgegangen ist, diesen erneut kneten und zu einem großen Rechteck ausrollen

Für die Füllung:
8. Butter schmelzen, mit Zucker und Zimt mischen und den Teig damit bestreichen
9. Blaubeeren und Himbeeren gleichmäßig darüber verteilen

10. das Teig-Rechteck aufrollen und in ca. 4 cm breite Schnecken schneiden
11. die Schnecken in eine ofenfeste Form setzen und erneut für etwa 30 Minuten gehen lassen
12. die aufgegangenen Schnecken mit etwas Milch bestreichen, dadurch bekommen sie beim Backen später eine schöne Bräune

Für die Streusel:
13. Butter, Zucker, Mehl und Zimt vermengen (ich benutze hier gern eine Mischung aus herkömmlichem Mehl, gemahlenen Nüssen und Haferflocken, das macht das Ganzen noch etwas interessanter)
14. Streusel über den Schnecken verteilen

15. nun ab in den Ofen und bei 170°C Ober-/Unterhitze für ca. 40 bis 45 Minuten backen
16. die Schnecken sind fertig, wenn sie schön goldbraun sind
17. anschließend nach Belieben noch ein Gemisch aus Milch und Puderzucker über den Schnecken verteilen
18. dann bleibt nur noch eins: genießen (!!!)